Bruder Norman

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Tja, mein Bruder Norman, der geht mir heute noch ab! So ein Pfundskerl von einem Alkoholiker und: Er erkannte die Verbrechen unseres Vaters an! Doch je älter er wurde, desto mehr liebte er ihn. Zum letzten Mal sah ich ihn aufgebahrt, nachdem er acht Monate lang in einem mit viel chemischer Flüssigkeit gefüllten Tank herum geschwommen war. Zusammen mit vielen anderen, die im Winter 2009 von Medizin Studenten seziert werden sollten. Ein großartiger Anblick, wie aus Marmor.
Ich habe ihn sehr geliebt.

Niklas Frank

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Ein mörderischer Dialog unter Brüdern als deutsche Sezierstunde: erschütternd, schonungslos, abgründig. Normans verzweifelte Liebe zum Vater Hans Frank, Hitlers Generalgouverneur in Polen, der in Nürnberg hingerichtet worden ist, lässt seinen Bruder Niklas nicht los. Sie ringen um die Wahrheit von Gefühlen, die Macht der Verdrängung und die Frage: Wie überlebe ich es, das Kind des »Schlächters von Polen« zu sein?

Nach Büchern gegen seinen Vater und seine Mutter gelingt Niklas Frank nun ein düsteres dokumentarisches Kammerspiel über seinen alkoholkranken Lieblingsbruder, über sich und über ihr Verhältnis zum Vater. Der eine verteidigt ihn trotz Scham und Schmerz, der andere verachtet und hasst ihn. Tief dringt Niklas in Normans Seelenleben und Erinnerungen ein, martert ihn mit Briefen der Familie und Dokumenten, die er ein Leben lang gesammelt hat. Unnachgiebig zerlegt er Normans widersprüchliche Wahrheiten und verzweifelte Abwehrkämpfe um sein Bild des Vaters. Ein bislang einzigartiger Versuch, den Massenmord an den Juden als familiäres Erbe zu verarbeiten.

ISBN

978-3-8012-0438-9

Umfang

320 Seiten

Ausgabe

Klappenbroschur

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