Hasenfüßiger NDR

Ein paar gutwillige Menschen aus meiner Gemeinde Ecklak meinten, die Denkmalsenthüllung würde doch sicher fürs regionale Fernsehen interessant sein. Also bot ich die Zeremonie am 26. November dem Kieler Funkhausdirektor der ARD an. Ich bekam die scheinheiligste Antwort aus seinem Beritt, die andererseits wunderbar zur Krokodilsträne passte. Daraufhin schrieb ich ihm diesen Brief:

Landesfunkhaus Schleswig-Holstein
Herrn Direktor Volker Thormählen
Schlossplatz 3
24103 Kiel

13.12.2023

Werter Herr Thormählen,

wie Sie an der Anrede sehen, hat sich meine Wertschätzung Ihrer Person seit meinem ersten Brief stark vermindert.

Ich hatte Sie auf das „einzig ehrliche Denkmal“ – eine Krokodilsträne – aufmerksam gemacht, die ich in Ecklak auf meinem Grundstück aufstelle, um auf unseren scheinheiligen Umgang mit dem Holocaust hinzuweisen. Die Krokodilsträne ist ein absoluter Hingucker, die mit einem Rundum-Film-Schwenk noch beeindruckender wirkt, sicher die schleswig-holsteinische Bevölkerung interessiert und durch den Text darunter vielleicht zum Nachdenken gebracht hätte.

Doch Sie haben entschieden, nicht darüber zu berichten und eine Kollegin den schwurbeligsten Absagetext verfassen lassen, der allerdings eines für mich deutlich durchscheinen lässt: Sie wollen dem Publikum diesen meinen Text unterhalb der Träne nicht zeigen: „Einzig ehrliches Denkmal für die von uns ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer“.

Um Ihre Ablehnung zu kaschieren, steht in der Mail, dass so eine Absage immer „vielfältige Gründe“ haben könne und „auch immer mit dem landesweiten Interesse und dem Bezug auf Themen in Schleswig-Holstein zu tun“ haben sollte. Daraus entnehme ich: Dieses „Thema“ ist für Schleswig-Holstein uninteressant. Entweder, weil es frei von Antisemitismus ist oder aber vor Antisemitismus nur so brummt, weshalb Sie diesen Hass nicht noch mehr anheizen wollen!

Der verkorkste Satz in der Mail muss auch Ihnen aufgefallen sein, so dass Sie den hierzulande üblichsten Hohl-Satz dazuschreiben ließen: „Das Interesse an dem Thema Antisemitismus in der Gesellschaft ist groß – verstehen Sie das nicht falsch, aber wir haben es schon in anderen Formen umgesetzt und werden dies auch weiter tun.“
„Andere Formen“ können also nur solche sein, die niemanden im Lande auf- oder verstören! Wieder leuchtet hinter diesem schlangenwindenden Satz die Angst vor meinem Text unterhalb der Träne auf!

Ich schlage Ihnen deshalb vor, auf dem Platz Ihres Kieler Rundfunkhaus einen 30 Meter hohen Hasen aufzustellen – das weitum bekannte Symbol für überängstliches Wegducken und Davonlaufen.

Eine Krokodilsträne ist, wie Sie wissen, auch ein Symbol: für größtmögliche Scheinheiligkeit.

Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet ein Programmdirektor des NDR der Erste ist, der durch seine Absage, über mein Denkmal zu berichten, eine solche Träne aus seinem rechten Auge presst – in beachtlicher Größe.

Bittere Gratulation für Sie!

Das Thema wollen Sie „schon in anderen Formen umgesetzt“ haben? In wie vielen Orten waren denn schon Ihre TV-Crews und haben ähnliche „Formen“ wie eine 3,50 Meter hohe Krokodilsträne enthüllt?
Erkenntnis: Sie lassen Ihre NDR-Finger ängstlich von Themen, die Schleswig-Holstein aufrütteln oder – siehe oben – vielleicht zum Nachdenken bringen könnten.
So stelle ich mir ein von der AfD beherrschtes Fernsehen vor! (Siehe dazu auch mein zur Krokodilsträne gehörendes neues Buch „Zum Ausrotten wieder bereit?“ Kostet Sie nur 18 €, verschafft Ihnen dafür aber – vielleicht – Herz, Mut und heiße Liebe für Demokratie!)

Ich persönlich bin nicht eitel-gierig auf TV-Berichterstattung, ich brauch sie nicht, doch Ihr Verhalten wird von jener Grundhaltung bestimmt, der ich seit Jahrzehnten quer durch Deutschland begegne: Der Feigheit!

Nicht mal mehr „Hochachtungsvoll“:
Niklas Frank


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