Sportchauvinismus pur

Sport gehört zu Kultur. Nationalismus in Maßen. Was jedoch ARD und ZDF während der European Championships in München abgeliefert haben, war Chauvinismus pur! Da liefen im Hintergrund die spannendsten Wettkämpfe, doch – weil ohne deutsche Beteiligung – musste ich endlos einer Weitspringerin zusehen, die sich minutenlang auf ihren Lauf vorbereitete oder einem Stabhochspringer, der den Stab mal weiter oben, dann wieder weiter unten griff, ein paar Schritte vorwärts ging, dann wieder rückwärts. Nach schandbaren Leistungen von Deutschen wurden sie dennoch in endlosen Interviews für ihre verheerende Leistung über alle Maßen gelobt. Überhaupt die Interviews! Es sind immer die gleichen Antworten auf die ewig gleichen Fragen. Da ist keiner, der sich plötzlich als heterosexuell oder als fünftes Geschlecht outet, keine, die in der Nacht zuvor ihre Oma umbringen musste, weshalb sie im Wettkampf etwas unkonzentriert war und dadurch abgeschlagen am Ende endete. SportlerInnen- und InterviewerInnen-Blabla! Im Bildhintergrund derweil live tolle Leistungen, zum Leidwesen von ARD und ZDF nur von Ausländern, die deshalb allenfalls stark verkürzt nachgereicht wurden. Dafür durften wir stundenlang Straßenrennen beäugen, bei denen doch nur die letzten 500 Meter spannend sind. Und während der Wechselfehler der deutschen 4 x hundert Meter Männerstaffel ausgiebig in Zeitlupe wiederholt wurde, wartete ich vergeblich auf die Wechselfehler der französischen und britischen 4 x hundert Meter Frauenstaffel. Wir haben eine EU, doch wir haben dagegen an eine hochgradig deutsch-narzisstische Sportberichterstattung!

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